Jahresbericht 2010 Verein Engelberger Klosterbräu


Bewegte Geschichte, rosige Zukunft

Was im August 2009 mit einem Protest-Bier von aufmüpfigen Lausbuben mit einem weltweiten Medienecho begann, erwies sich ein Jahr später am 1. August 2010 als riesiger Erfolg mit der Lancierung des neuen Biers «Engelberger Klosterbräu – das himmlische Original». Das erste ordentliche Vereinjahr 2010 war geprägt von der Verbreiterung unserer Vereinsbasis durch aktive Mitgliedergewinnung.

Die Übernahme der Luzerner Brauerei «Eichhof» durch den holländischen Bier-Giganten Heineken schockte die Innerschweiz und löste heftige Reaktionen aus. Statt die Faust im Sack zu machen hatten ein paar Engelberger «Ureinwohner» und «Zugewanderte» eine himmlische Bier-Idee und lancierten ein Protest-Bier «auf dem Weg zum Engelberger Klosterbräu». Eine Schar von Lausbuben heckte zusammen mit leicht ergrauten Schelmen einen Geheimplan aus: Ein echtes Engelberger Klosterbräu, gebraut mit reinstem Engelberger Quellwasser nach einem Spezialrezept. Gestartet wurde am 28. August 2009 mit einem medialen Paukenschlag und der Lancierung eines Protest-Biers, dessen Name noch am gleichen Tag auf Antrag der «Heineken Brouwerijen» in Amsterdam richterlich verboten wurde.

Heineken liess Protest-Bier beschlagnahmen

Die Bier-Idee mit dem "Bier vom Berg der (B)Engel" sorgte für weltweites Medienecho. Heineken liess nicht nur den genial-aufmüpfigen Namen verbieten, sondern erwirkte auch die Beschlagnahmung des Biers und der Gläser. Damit stach der holländische Goliath in ein Wespennest und entfachte eine riesige mediale Empörung über den Umgang des Bierkonzerns mit einem kleinen Engelberger Dorfverein.

„Heineken schäumt wegen Keineken"

Die von Heineken stolz verkündete Beschlagnahmung erwies sich dann als ein klassisches mediales Eigengoal, das in die Geschichte der Publizistik eingehen wird. Zwei Tage nach der Beschlagnahmung stürzte sich der "SonntagsBlick" auf das Thema und titelte prominent aufgemacht, unter einer Story über Barak Obama und Hillary Clinton: "Heineken schäumt wegen Keineken" und schrieb dazu: "Ein kleiner Obwaldner Verein bringt den Bierriesen Heineken ins Schwitzen. Die Holländer ziehen vor Gericht."

David gegen Goliath

Am Montag, 30. August 2009, berichten fast alle Medien schweizweit über das Protest-Bier und die Reaktion von Heineken mit der Beschlagnahmung. Der Zürcher Tages Anzeiger schrieb unter dem Titel "Mit 1200 Flaschen Bier gegen Goliath Heineken" folgendes: "Zum Jahrestag der Übernahme des Luzerner Biers Eichhof durch Heineken hat ein Engelberger Verein ein Bier lanciert – dessen Namen prompt einen Eklat auslöst. Es ist ein Kampf wie David gegen Goliath: Der Engelberger Verein Keineken gegen den Bier-Giganten Heineken. Noch bevor das neu kreierte Bier am Samstag in Engelberg offiziell angezapft werden konnte, hatte die Polizei alle 80 Harassen – 1200 Flaschen – konfisziert."

Weltweites Medienecho

Einen Tag später schwappte die Empörungswelle über die Schweizer Grenze und erreichte am 1. September 2009 die Niederlanden, Konzernsitz des Bierbrauers Heineken. Die meisten holländischen Medien berichteten ausführlich über ihren Goliath im Kampf gegen die Tellensöhne. Das „NRC Handeslblad" titelte: „Heineken duldt Zwitsers protestbier Keineken niet".

Die weltweite Nachrichten-Agentur Associated Press griff den Streit auf und verbreitete folgende Meldung mit dem Titel "Heineken cracks down on tiny Swiss Keineken" über ihr Satellitennetz in alle News-Redaktionen der Welt: "Swiss police have seized 1,000 bottles of locally made «Keineken» beer after the Dutch beer giant Heineken NV complained its brand was being infringed. The name «Keineken» appears to be a pun in German meaning «No Heineken». A note on Keineken's Web site complains that foreign companies have «swallowed» all Switzerland's independent brewers. «Our name says it all: Keineken.»"

In fast allen Gegenden der Welt, in denen Heineken oder Carlsberg lokale oder nationale Brauereien übernommen hatte, nahmen die Medien das Thema auf, von Grossbritannien über Nord- und Südamerika bis Neuseeland.

„Antrinkete" unter polizeilicher Aufsicht

Unbeeindruckt vom Grossaufmarsch der Heineken-Anwälte und der Beschlagnahmung wurde auf die neue Engelberger Bier-Idee angestossen, scharf beobachtet von der Polizei, die das Bier durch eine Versiegelung der Garagen im Engelberger Oberzelgli beschlagnahmte. Eine Patrouille der Kantonspolizei kontrollierte auch das "Antrinken" vom 29. August 2009 vor Ort mit dem Befund, dass alles in Ordnung sei. „Die Auflagen, kein Keineken-Bier auszuschenken oder anderweitig Werbung zu betreiben, wurde eingehalten. Anstelle von Keineken-Bier wurde Bier unter der Marke «Unser Bier» einer Brauerei in Basel angeboten." Und die Kantonspolizei Obwalden stellte ferner fest: „Die Verantwortlichen des Vereins Keineken benahmen sich gegenüber der Polizei sehr kooperativ und hielten sich an die Auflagen der superprovisorischen Verfügung des Kantonsgerichtspräsidenten."

Gründung des Vereins Engelberger Klosterbräu

Die brave, legale Antrinkete vom 29. August 2009 war denn auch die Geburtsstunde des neuen Vereins Engelberger Klosterbräu. Die Wahl des Datums war kein Zufall sondern hatte Symbolcharakter: Es war der erste Jahrestag der Übernahme der Luzerner Brauerei Eichhof durch den holländischen Brauerei-Konzern Heineken. Das edle Amber-Bier für die Antrinkete stammte vom Basler „Onkel", der Brauerei „Unser Bier", einer unabhängigen Brauerei, die als Reaktion auf die Feldschlösschen-Übernahme durch Carlsberg gegründet wurde. Die Brauerei „Unser Bier" füllte auch das „Keineken"-Bier respektive das spätere „(B)Engel-Bräu" ab mit dem Amber-Bier.

Der Verein Keineken löste sich auf Drängen von Heineken im Sinne einer geheimen Vereinbarung auf und übertrug sein bescheidenes Vermögen dem Verein Engelberger Klosterbräu, der stolz das Erbe der (B)Engel-Brauer übernahm – auch die jugendlichen Lausbuben und die angegrauten Schelme.

Umetikettiert mit (B)Engel-Bräu

Da das Gericht ja nur die Wortmarke verboten hatte und nicht das originelle Logo mit den Teufelshörnern und dem Heiligenschein, witterten die Initianten des Protest-Biers Morgenluft und tauften das Bier einfach um in „(B)Engel-Bräu", etikettierten die Flaschen neu und ritzten auf den edlen Gläsern den Schriftzug „Keineken" weg. Die Obwaldner Kantonspolizei inspizierte die umetikettierten Flaschen und die geritzten Gläser und gab Ende Januar 2010 grünes Licht für den Verkauf. Die Garage in der Trutzburg „Falkenberg" im Oberzelgli 15 in Engelberg wurden entsiegelt und die beschlagnahmten Biere und Gläser freigegeben. Innert weniger Wochen waren die 1200 Flaschen schon verkauft an Liebhaber und Fans des Protest-Biers.

Der Verein Engelberger Klosterbräu hat dann mit Schmunzeln zur Kenntnis genommen, dass Heineken rund vier Monate nach der Vereinsgründung das Projekt Engelberger Klosterbräu in der Medienmitteilung des Bierkonzerns vom 14. Januar 2010 sogar hochoffiziell begrüsste und zur geplanten Lokalbrauerei wörtlich festhielt: „Dies gilt auch für ein künftiges Engelberger Klosterbräu, zu dem Heineken grundsätzlich positiv eingestellt ist."

Keineken als Fasnachtssujet

Die Ehre, ein Fasnachtssujet zu werden, kam für den verbotenen Verein Keineken unverhofft, aber gerade zur richtigen Zeit. Maulkörbe und Stillschweigeabkommen gelten zwar juristisch für die Betroffenen, aber die Meinungsäusserungsfreiheit steht in einem demokratischen Rechtsstaat über solchen Einschränkungen und ist an der Fasnacht unantastbar. Der Frauenturnverein griff das Sujet Keineken für die Engelberger Fasnacht 2010 auf und dokumentierte damit, dass das Thema das Dorf und Tal wirklich bewegte. Mit einer riesigen Keineken-Flasche auf dem Requisit zogen die Fasnächtlerinnen durch das Dorf und aus dem Lautsprechern dröhnte der Song: „Ein Bier, das keinen Namen trägt, gebraut in Engelberg, das schenk ich Dir heut Nacht. Ein Bier, das Heineken überlebt, und auch noch in Tausend Jahren wird es keinen Namen tragen, Keineken für alle Ewigkeit."

Kooperation mit Brauerei Luzern

Schon an der Antrinkete vom 28. August 2009 wurde mit den Verantwortlichen der neu gegründeten, unabhängigen Brauerei Luzern AG Kontakt aufgenommen, Freundschaften geknüpft und auf eine partnerschaftliche Kooperation angestossen. Brauerei-Luzern-Gründer und -Verwaltungsrat David Schurtenberger gratulierte am Gründungstag dem Verein zur himmlischen Bieridee und überreichte den Engelbergern ein exklusives Six-Pack Luzerner Bier. Anfang Februar 2010 folgen die ersten Verhandlungen über eine für beide Seiten schäumende Zusammenarbeit mit dem Ziel, noch im 2010 ein echtes Engelberger Klosterbräu zu lancieren. Die Brauerei Luzern wurde als Reaktion auf die Eichhof-Übernahme durch Heineken gegründet und hatte gegenüber der Engelberger Bier-Idee einen einjährigen Vorsprung.

Fulminanter Start am Nationalfeiertag

Die aufmüpfigen (B)Engel-Brauer sind nach dem erfolgreichen Abenteuer mit einer provokativen himmlischen Engelberger Bier-Idee erwachsen geworden und haben sich im Verein Engelberger Klosterbräu organisiert. Am 1. August 2010 wurde dann der Wunschtraum vom echten Engelberger Klosterbräu Wirklichkeit. Der Verein Engelberger Klosterbräu liess „Das himmlische Original" mit Engelberger Quellwasser und einem Spezialrezept zusammen mit der Partner-Brauerei in Luzern brauen und plant vorausschauend in Engelberg eine eigene Brau-Anlage. Im Rahmen der Feier zum Nationalfeiertag mit einem Dorffest in Engelberg konnte das Engelberger Klosterbräu erstmals getrunken werden – ein historischer Bier-Moment.

Das Engelberger Klosterbräu konnte zum Auftakt in 33-cl-Flaschen mit einer eleganten Etikette und dem unverwechselbaren Logo mit dem Hausberg Hahnen und der Brunni-Sonne oder im Offenausschank genossen werden.

Am Starttag alles ausgetrunken

Die allerkühnsten Erwartungen für den Start des neuen Biers wurden weit übertroffen: Das Engelberger Klosterbräu eroberte die 1.-August-Feier mit einem schäumenden Erfolg. Was mindestens einen Monat hätte ausreichen sollen, schluckten die Bier-Fans in nur einem einzigen Tag! 2'800 Flaschen und 40 Liter im Offenausschank wurden im Klosterdorf in den Vereinsbeizen und in der Gastronomie mit viel Genuss ausgetrunken. Die Kehrseite der Erfolgsmedaille: Erst Ende August/Anfang September gab es wieder vom „himmlischen Original".

„Von so einem riesigen Ansturm und der überschäumenden Begeisterung hätten wir nicht einmal zu träumen gewagt," erklärte Anian Kohler, Präsident des Vereins Engelberger Klosterbräu, zum fulminanten Start des „himmlischen Originals" aus dem Klosterdorf im Herzen der Zentralschweiz. Frisch gebraut und abgefüllt eroberte das Engelberger Klosterbräu am offiziellen Starttag die 1.-August-Feier im Klosterdorf. Bevor die Gewitter kamen, war am heissen 1. August in Engelberg schon alles getrunken. René von Holzen, beim Verein Engelberger Klosterbräu für die Produktion und Verteilung verantwortlich: „Das hat unsere allerkühnsten Erwartungen weit übertroffen. Mit so einem Ansturm haben wir nie gerechnet, wir wurden förmlich überrannt von der Nachfrage." Es wurden auch weit über 300 der trendigen Biergläser verkauft, oft auch kombiniert mit dem Beitritt zum Verein als Gründungsmitglied.

Blick in die Zukunft: Eigene Brauanlage

Die Lancierung des Engelberger Klosterbräus, gebraut mit Quellwasser aus Engelberg, ist die Krönung der ersten Etappe auf dem Weg zu einer eigenen Brauanlage in Engelberg. Der Vorstand des Vereins Engelberger Klosterbräu evaluiert als mittel- und langfristiges Ziel den Aufbau einer eigenen Brauanlage in Engelberg. Zwei Möglichkeiten stehen dabei im Vordergrund der Planung: Eine oder mehrere Schau-Brauereien im Kloster, in einem Restaurant oder in einer geeigneten touristisch attraktiven Lokalität oder als Alternative eine Brauerei mit einem speziellen Braulokal.

Anian Kohler, Präsident

 

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